Teil 2: „Jeder packte mit an“

Besonders im Gedächtnis haften geblieben ist Bürgermeister Kaars das, was auch eine Reihe anderer Zeitzeugen für außerordentlich bemerkenswert halten: „Selbstverständlich stand das ganze Dorf zusammen. Jeder packte mit an, damit die Straßen wieder befahrbar waren. Jeder – ob groß oder klein, ob jung oder alt – half auf seine Art und Weise.“ Alle Mitglieder der Dorfgemeinschaft hätten zusammen gestanden und seien füreinander da gewesen, so Kaars. Und trotz aller Anstrengungen sei es ein tolles Erlebnis gewesen, den Zusammenhalt des Dorfes und die menschliche Solidarität zu spüren. 

Der Zusammenhalt, von dem Henning Kaars schwärmt – er ist auch bei aus der Gemeinde Butjadingen haften geblieben. Sie wohnte damals an der Hauptstraße zwischen Moorsee und Stollhamm. „Wir schaufelten gemeinsam liegen gebliebene Fahrzeuge frei oder versorgten erschöpfte Fußgänger mit heißen Getränken“, berichtet Birgitt von Thülen. „Daneben halfen wir uns mit Dingen des täglichen Bedarfs aus. Denn dem einen fehlte eine Glühbirne und dem anderen ein Stück Brot.“

Der nächste Lebensmittelmarkt sei einige Kilometer entfernt gewesen und wenn man es bis dahin geschafft habe, hätten relativ leere Regale auf einen gewartet. Wer seinen Keller mit Lebensmittelreserven bestückt gehabt habe, „konnte froh sein“.

Ihre Lieblingsgeschichte verbindet Birgitt von Thülen mit dem Arzt Dr. Joachim Bethge, der „in unerschütterlichem Glauben an die Leistungsfähigkeit seines Sportwagens mit diesem Gefährt Hausbesuche machen wollte“. Er kam von Abbehausen bis zur Abzweigung nach Seefeld. Mit viel Schwung wollte der Arzt durch eine Schneedüne fahren – und blieb darin stecken. In kürzester Zeit war der flache Sportwagen einfach vom Schnee verdeckt. Birgitt von Thülen: „Doch ruckzuck wurde das Auto gefunden und ausgegraben – gerade rechtzeitig, bevor die Panzer die Straße wieder räumten.“ 

Bilder: Privat